Cannabis in Deutschland: Was erlaubt ist
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Besitz, Eigenanbau, Konsumverbote, Anbauvereinigungen, Strafen: Das Konsumcannabisgesetz im Überblick, mit Paragraf und Wortlaut, und die Missverständnisse, die sich am hartnäckigsten halten.

„Cannabis ist legal" stimmt so nicht. Das Konsumcannabisgesetz beginnt mit einem Verbot: § 2 Absatz 1 KCanG verbietet Besitz, Anbau, Herstellung, Handel, Ein- und Ausfuhr, Abgabe und Erwerb. Erst Absatz 3 nimmt Volljährige davon aus, und zwar für genau vier Fälle: den Besitz nach § 3, den privaten Eigenanbau nach § 9, den gemeinschaftlichen Anbau in Anbauvereinigungen und die Forschung. Was nicht unter eine dieser Ausnahmen fällt, bleibt verboten. Wer das im Kopf hat, versteht den Rest des Gesetzes leichter.
Besitz: 25 Gramm, 50 Gramm, drei Pflanzen
§ 3 Absatz 1 KCanG erlaubt Personen ab 18 „den Besitz von bis zu 25 Gramm Cannabis" zum Eigenkonsum, bei Blüten bezogen auf das Gewicht nach dem Trocknen. Am Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt sind nach Absatz 2 bis zu 50 Gramm und bis zu drei lebende Pflanzen erlaubt.
Das häufigste Missverständnis: Die beiden Mengen werden nicht addiert. Das Gesetz sagt ausdrücklich, dass „die insgesamt besessene Menge 50 Gramm Cannabis … nicht übersteigen" darf. Wer zu Hause 50 Gramm hat, darf unterwegs nichts zusätzlich dabeihaben.
Woher Cannabis legal kommen darf
Es gibt genau zwei legale Quellen: den eigenen Anbau und eine Anbauvereinigung mit Erlaubnis, in der man Mitglied ist. Einen Verkauf in Geschäften sieht das KCanG nicht vor. Handel, Abgabe an andere und auch die Ein- und Ausfuhr bleiben verboten und sind nach § 34 Absatz 1 KCanG strafbar. Das gilt auch für Cannabis, das aus einem anderen EU-Staat mitgebracht wird. Ein Kaufbeleg aus dem Ausland macht den Besitz in Deutschland deshalb nicht legaler; er dokumentiert eher eine verbotene Einfuhr.
Eigenanbau
Volljährigen ist nach § 9 Absatz 1 KCanG „an ihrem Wohnsitz oder an ihrem gewöhnlichen Aufenthalt der private Eigenanbau von insgesamt nicht mehr als drei Cannabispflanzen gleichzeitig erlaubt". Die Ernte darf nicht an Dritte weitergegeben werden (Absatz 2), und § 10 verlangt, Pflanzen und Ernte „vor dem Zugriff durch Dritte, insbesondere Kinder und Jugendliche" zu schützen. Eine Pflicht, Pflanzen oder Ernte zu dokumentieren, gibt es für den privaten Anbau nicht.
Samen darf man nach § 4 KCanG besitzen, solange sie nicht für einen unerlaubten Anbau bestimmt sind. Eingeführt werden dürfen sie für den Eigenanbau aber nur aus Mitgliedstaaten der EU. Alle Einzelheiten stehen im Artikel Cannabis selbst anbauen: Was erlaubt ist.
Wo der Konsum verboten ist
§ 5 KCanG verbietet den Konsum in drei Fallgruppen:
- In unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen, überall, auch privat (Absatz 1).
- Öffentlich (Absatz 2): in Schulen, auf Kinderspielplätzen, in Kinder- und Jugendeinrichtungen, in öffentlich zugänglichen Sportstätten und im befriedeten Besitztum von Anbauvereinigungen, jeweils „und in deren Sichtweite", außerdem in Fußgängerzonen zwischen 7 und 20 Uhr.
- In militärischen Bereichen der Bundeswehr (Absatz 3).
Die Sichtweite wird oft verkehrt herum erklärt. Verboten ist der Konsum in Sichtweite. Das Gesetz begrenzt diese Sichtweite nach außen: „eine Sichtweite [ist] bei einem Abstand von mehr als 100 Metern von dem Eingangsbereich … nicht mehr gegeben." Innerhalb von 100 Metern um den Eingang kommt es also darauf an, ob man die Einrichtung sehen kann. Jenseits von 100 Metern gilt das Verbot nicht mehr, auch wenn man sie noch sieht.
§ 5 regelt nur den Konsum, nicht den Besitz. Wer an einer Schule vorbeigeht und erlaubte Mengen dabeihat, verstößt nicht gegen § 5. Daneben gelten andere Vorschriften weiter. Bayern etwa verbietet das Rauchen von Cannabis nach seinem Gesundheitsschutzgesetz auch in Biergärten und auf Volksfesten. Wie sich prüfen lässt, ob an einem Ort eine Verbotszone liegt, zeigt die Seite Konsumzonen.
Anbauvereinigungen
Anbauvereinigungen sind nach § 1 Nummer 13 KCanG eingetragene, nicht wirtschaftliche Vereine oder eingetragene Genossenschaften. Ihr einziger Zweck ist der gemeinsame, nichtgewerbliche Anbau und die Weitergabe an Mitglieder. Ohne behördliche Erlaubnis nach § 11 dürfen sie weder anbauen noch weitergeben. Der Eintrag ins Vereinsregister reicht dafür nicht. Die §§ 11 bis 24 regeln Erlaubnis, Mitgliedschaft (höchstens 500 Mitglieder, alle volljährig, mit Wohnsitz oder gewöhnlichem Aufenthalt in Deutschland), Anbau, Qualität, Sicherung und Jugendschutz.
An Mitglieder ab 21 dürfen höchstens 25 Gramm pro Tag und 50 Gramm pro Kalendermonat weitergegeben werden, und zwar nur persönlich und vor Ort. Versand und Lieferung sind verboten (§ 19 Absatz 4). Was eine Mitgliedschaft voraussetzt, steht im Artikel Mitglied in einem Cannabis Social Club werden. Welche Vereine es gibt und für welche eine Erlaubnis nachgewiesen ist, zeigt das Verzeichnis unter Cannabis Social Clubs.
18 bis 20 Jahre: engere Grenzen im Verein
Das KCanG nennt Personen zwischen 18 und 21 „Heranwachsende" (§ 1 Nummer 20). Für sie gelten beim Besitz und beim Eigenanbau dieselben Mengen wie für alle Volljährigen. Enger ist nur die Weitergabe im Verein. Nach § 19 Absatz 3 dürfen Anbauvereinigungen an Heranwachsende „höchstens 25 Gramm Cannabis pro Tag und höchstens 30 Gramm Cannabis pro Kalendermonat" weitergeben, und das Cannabis „darf einen THC-Gehalt von 10 Prozent nicht überschreiten".
Minderjährige
Für Personen unter 18 gilt keine der Ausnahmen des § 2 Absatz 3: Besitz, Anbau und Erwerb bleiben verboten. Wird eine minderjährige Person mit Cannabis angetroffen, ohne sich strafbar zu machen, informiert die Polizei- oder Ordnungsbehörde nach § 7 KCanG die Eltern. Bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Gefährdung wird auch das Jugendamt eingeschaltet. Wer als Person über 21 Cannabis an Kinder oder Jugendliche abgibt, begeht in der Regel einen besonders schweren Fall (§ 34 Absatz 3) mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren. Tut er es gewerbsmäßig, beträgt die Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren (§ 34 Absatz 4).
Ordnungswidrigkeit oder Straftat
- Über 25 bis 30 Gramm außerhalb der Wohnung oder über 50 bis 60 Gramm insgesamt: Ordnungswidrigkeit nach § 36 Absatz 1 Nummer 1.
- Mehr als 30 bzw. 60 Gramm, mehr als drei Pflanzen, Handel, Weitergabe, Ein- und Ausfuhr: Straftat nach § 34 Absatz 1, Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.
- Konsum in einer Verbotszone: Ordnungswidrigkeit nach § 36 Absatz 1 Nummer 4.
Der Bußgeldrahmen reicht für diese Fälle bis 30.000 Euro (§ 36 Absatz 2). Das ist eine Obergrenze, kein Regelsatz. Bei kleinen Mengen zum Eigenverbrauch kann die Staatsanwaltschaft nach § 35a KCanG von der Verfolgung absehen, wenn die Schuld gering wäre und kein öffentliches Interesse besteht. § 35 regelt etwas anderes, nämlich die Strafmilderung für Täter, die zur Aufklärung anderer Taten beitragen.
Tilgung alter Verurteilungen
Seit dem 1. Januar 2025 gelten die §§ 40 bis 42 KCanG. Eine Verurteilung nach § 29 des Betäubungsmittelgesetzes ist tilgungsfähig, wenn das heutige Recht für die Handlung „keine Strafe mehr vorsieht" oder nur noch eine Geldbuße androht. Das geschieht nicht automatisch. Die verurteilte Person stellt einen Antrag, die Staatsanwaltschaft stellt die Tilgungsfähigkeit fest, die Registerbehörde tilgt den Eintrag. Enthält dieselbe Verurteilung auch Taten, die weiterhin strafbar sind, ist die Tilgung ausgeschlossen (§ 40 Absatz 3).
Straßenverkehr
Ordnungswidrig fährt, wer 3,5 ng/ml THC oder mehr im Blutserum hat (§ 24a Absatz 1a StVG); der Rahmen reicht bis 3.000 Euro. Kommt Alkohol hinzu, sind es bis 5.000 Euro (Absatz 2a). Wer unter 21 oder in der Probezeit ist, darf nach § 24c StVG überhaupt nicht unter THC-Wirkung fahren. Wie lange man nach dem Konsum warten sollte und warum es dafür keine sichere Faustregel gibt, steht im Artikel Wie lange kein Autofahren nach einem Joint.
Medizinalcannabis ist ein anderes Gesetz
Cannabis zu medizinischen Zwecken ist vom KCanG ausdrücklich ausgenommen (§ 1 Nummer 8). Es fällt unter das Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG) und wird ärztlich verschrieben. Das Medizinalrecht hat sich zuletzt geändert: Seit Ende Juli 2026 können Cannabisblüten nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden. Was das bedeutet, steht im Artikel Cannabisblüten sind keine Kassenleistung mehr.
Werbung und die Evaluation
§ 6 KCanG verbietet „Werbung und jede Form des Sponsorings für Cannabis und für Anbauvereinigungen". Das betrifft auch Texte wie diesen, deshalb nennen wir hier keine einzelnen Vereine und Produkte.
Das Gesetz wird nach § 43 KCanG wissenschaftlich überprüft. Zwei Zwischenberichte liegen vor (1. Oktober 2025 und 1. April 2026), der abschließende Bericht soll bis zum 1. April 2028 kommen. Ein Gesetz, das das KCanG aufhebt oder ändert, ist bis heute nicht verkündet. Ein legaler Verkauf in Fachgeschäften, wie er zeitweise als „zweite Säule" diskutiert wurde, ist nicht Teil des geltenden Rechts.
Quellen
- Konsumcannabisgesetz (KCanG) im Volltext, mit Inkrafttretensvermerk
- § 3 KCanG: Erlaubter Besitz von Cannabis
- § 5 KCanG: Konsumverbot
- § 19 KCanG: Kontrollierte Weitergabe von Cannabis
- § 34 KCanG: Strafvorschriften
- § 35a KCanG: Absehen von der Verfolgung
- § 36 KCanG: Bußgeldvorschriften
- §§ 40 bis 42 KCanG: Tilgung von Eintragungen im Bundeszentralregister
- § 24a StVG: THC-Grenzwert und § 24c StVG: Fahranfänger
- Bundesministerium für Gesundheit: FAQ zum Cannabisgesetz (Stand 4. September 2026)
- Bayerisches Gesundheitsministerium: Cannabis, Rauchverbote nach dem Gesundheitsschutzgesetz
Passend dazu im Verzeichnis
Häufige Fragen
- Wie viel Cannabis darf ich in Deutschland besitzen?
- Volljährige dürfen nach § 3 KCanG bis zu 25 Gramm bei sich haben und an ihrem Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt bis zu 50 Gramm sowie drei lebende Pflanzen. Die 50 Gramm sind die Gesamtgrenze, die 25 Gramm unterwegs kommen nicht hinzu.
- Wo ist der Konsum verboten?
- § 5 KCanG verbietet den Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen, in Schulen, auf Kinderspielplätzen, in Kinder- und Jugendeinrichtungen, in öffentlich zugänglichen Sportstätten und in Anbauvereinigungen sowie jeweils in deren Sichtweite, außerdem in Fußgängerzonen zwischen 7 und 20 Uhr und in militärischen Bereichen. Die Sichtweite endet erst bei mehr als 100 Metern Abstand vom Eingangsbereich.
- Darf ich Cannabis kaufen?
- Nein, einen legalen Verkauf gibt es nicht. Erlaubt sind nur der eigene Anbau und die Weitergabe an Mitglieder in einer Anbauvereinigung mit Erlaubnis. Handel, Abgabe an andere sowie Ein- und Ausfuhr bleiben nach § 2 und § 34 KCanG verboten und strafbar.
- Ab wann ist zu viel Besitz strafbar?
- Bis 30 Gramm unterwegs bzw. 60 Gramm insgesamt ist ein Überschreiten der erlaubten Menge eine Ordnungswidrigkeit (§ 36 KCanG). Darüber beginnt das Strafrecht (§ 34 KCanG): Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Bei Pflanzen gibt es keinen Puffer, die vierte ist strafbar.
- Gilt für 18- bis 20-Jährige etwas anderes?
- Beim Besitz nicht. Anbauvereinigungen dürfen an Heranwachsende aber nach § 19 Absatz 3 KCanG höchstens 30 Gramm pro Monat weitergeben, und das Cannabis darf höchstens 10 Prozent THC enthalten. Im Straßenverkehr gilt für alle unter 21 ein THC-Verbot (§ 24c StVG).
- Werden alte Verurteilungen gelöscht?
- Auf Antrag. Eine Verurteilung nach dem Betäubungsmittelgesetz ist tilgungsfähig, wenn die Tat nach heutigem Recht nicht mehr strafbar ist oder nur noch eine Geldbuße droht (§ 40 KCanG). Ob das zutrifft, stellt die Staatsanwaltschaft fest (§ 41), die Registerbehörde tilgt dann den Eintrag (§ 42).

