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Cannabis anbauen für Anfänger: Ausstattung und erste Schritte

· 6 Min. Lesezeit· Gilt für Deutschland· Zuletzt geprüft am

Zelt, Licht, Abluft mit Aktivkohlefilter, Erde, Töpfe, pH und ein Hygrometer: was der legale Eigenanbau für drei Pflanzen braucht, wie die Phasen von der Keimung bis zum Fermentieren ablaufen und wie man die Stromkosten selbst ausrechnet.

Illustration · Bildsynthese

Fragen wie „Absolut blutiger Anfänger braucht Hilfe“ gehören in Foren zum Eigenanbau zu den häufigsten. Die gute Nachricht: Für drei Pflanzen braucht es weniger Technik, als viele Einkaufslisten vermuten lassen. Die schlechte: Ein paar Dinge lassen sich nicht weglassen, vor allem nicht in einer Wohnung. Dieser Text ordnet die Grundausstattung, beschreibt den Ablauf vom Samen bis zum Glas und zeigt, wie man die Stromkosten vorher selbst überschlägt.

Vorab: der rechtliche Rahmen in Kürze

Erlaubt ist der private Eigenanbau Personen ab 18 Jahren, und zwar „an ihrem Wohnsitz oder an ihrem gewöhnlichen Aufenthalt“ und mit „insgesamt nicht mehr als drei Cannabispflanzen gleichzeitig“ (§ 9 Absatz 1 KCanG). Beide Begriffe hängen an einer Frist: Als Wohnsitz gilt der Ort, an dem man „seit mindestens sechs Monaten eine Wohnung“ innehat (§ 1 Nummer 16); einen gewöhnlichen Aufenthalt nimmt das Gesetz bei einem zusammenhängenden Aufenthalt von mindestens sechs Monaten an (§ 1 Nummer 17). Die Ernte darf nicht an Dritte weitergegeben werden (§ 9 Absatz 2), zu Hause sind höchstens 50 Gramm getrocknet erlaubt (§ 3 Absatz 2), und Pflanzen, Ernte und Samen müssen vor dem Zugriff Dritter geschützt sein (§ 10).

Alle Einzelheiten stehen im Artikel Cannabis selbst anbauen: Was erlaubt ist. Woher Samen und Stecklinge legal kommen dürfen, erklärt Samen und Stecklinge legal beziehen.

Indoor oder Outdoor

Drinnen lässt sich alles steuern: Licht, Temperatur, Luftfeuchte, Geruch. Dafür kostet es Ausstattung und Strom. Draußen liefert die Sonne das Licht umsonst, aber das Wetter entscheidet mit, die Saison ist an das Jahr gebunden, und Geruch und Sicherung sind schwerer in den Griff zu bekommen. Für viele Anfänger ist ein Zelt in der Wohnung der übersichtlichere Einstieg, weil Fehler sich schneller zeigen und korrigieren lassen. Wer Balkon oder Garten nutzen will, findet die Besonderheiten im Artikel Outdoor-Anbau: Balkon und Garten richtig sichern.

Die Grundausstattung für drinnen

Zelt

Ein Growzelt ist ein Gestell mit lichtdichter, innen reflektierender Hülle. Es hält das Licht drinnen, lenkt die Luft durch den Filter und lässt sich verschließen. Für drei Pflanzen sind Grundflächen von 80 × 80 cm bis 100 × 100 cm üblich. Ein Zelt mit abschließbarem Reißverschluss oder ein Zelt in einem abschließbaren Raum hilft zugleich bei der Schutzpflicht nach § 10 KCanG.

Licht

Für Einsteiger sind LED-Leuchten heute der Normalfall: Sie werden weniger heiß als ältere Natriumdampflampen und verbrauchen bei gleicher Lichtmenge weniger Strom. Als grobe Einordnung liegen übliche Leuchten für 80 × 80 cm bei etwa 100 bis 200 Watt, für 100 × 100 cm bei etwa 200 bis 300 Watt. Gemeint ist die tatsächliche Leistungsaufnahme laut Datenblatt. Angaben wie „entspricht 600 Watt“ sind Werbevergleiche und taugen weder zur Einordnung noch zur Stromrechnung. Eine Zeitschaltuhr gehört dazu, weil die Lichtdauer die Phasen steuert.

Abluft mit Aktivkohlefilter

Ein Rohrlüfter zieht warme, feuchte Luft aus dem Zelt und drückt sie durch einen Aktivkohlefilter. Der Filter bindet den Geruch, der Lüfter verhindert Hitzestau und Schimmel. Der Filter sollte zur Luftleistung des Lüfters passen, und der Lüfter sollte das Zeltvolumen mehrmals pro Minute umwälzen können. Das Bundesgesundheitsministerium schreibt zum Eigenanbau: „Zudem dürfen keine unzumutbaren Belästigungen und Störungen für die Nachbarschaft verursacht werden.“ In einer Mietwohnung ist der Filter deshalb der wichtigste Teil der Ausstattung; die mietrechtliche Seite steht im Artikel Cannabis in der Mietwohnung anbauen.

Erde oder Substrat, Töpfe

Für den Einstieg ist Erde das nachsichtigste Medium. Leicht vorgedüngte Erde versorgt die Pflanze in den ersten Wochen ohne Zusatz und verzeiht Dosierfehler eher als Kokos oder Hydrokultur. Stofftöpfe oder Töpfe mit Abflusslöchern verhindern Staunässe; für drei Pflanzen in einem Zelt sind Größen zwischen etwa 11 und 25 Litern verbreitet. Untersetzer fangen überschüssiges Wasser auf.

Wasser und pH

Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch das Gießwasser ist. Er beeinflusst, wie gut die Wurzeln Nährstoffe aufnehmen können. In Erde gilt ein Bereich von etwa 6,0 bis 7,0 als üblich, in Kokos und Hydrokultur etwas niedriger, etwa 5,5 bis 6,5. Für den Anfang genügen Teststreifen oder Tropfen; ein Messgerät muss regelmäßig kalibriert werden. Leitungswasser ist in vielen Regionen brauchbar, wenn es abgestanden und auf Raumtemperatur ist.

Thermometer und Hygrometer

Ein kombiniertes Messgerät mit Speicher für Höchst- und Tiefstwerte zeigt, was im Zelt passiert, wenn niemand hinsieht. Als grobe Orientierung gelten tagsüber etwa 20 bis 28 Grad. Die Luftfeuchte darf bei Jungpflanzen höher liegen und sollte in der Blüte sinken, auf etwa 40 bis 50 Prozent, weil dichte Blüten bei feuchter Luft schimmeln können.

Zum Schluss ein Punkt, der in keiner Liste steht: Licht, Lüfter und Wasser liegen nah beieinander. Steckdosenleisten gehören nicht auf den Boden, Kabel nicht in die Nähe von Untersetzern. Ausstattung und Beratung bieten die Growshops im Verzeichnis.

Der Ablauf in Phasen

  1. Keimung (etwa 2 bis 7 Tage): Der Samen öffnet sich und bildet eine Keimwurzel, danach erscheinen die ersten Keimblätter. Warm, feucht, aber nicht nass.
  2. Sämling und Wachstum (etwa 3 bis 8 Wochen): Die Pflanze bildet Blätter und Wurzeln. Drinnen läuft das Licht in dieser Phase meist 18 Stunden am Tag.
  3. Blüte (etwa 8 bis 10 Wochen): Bei den meisten Pflanzen löst eine Umstellung auf 12 Stunden Licht und 12 Stunden ungestörte Dunkelheit die Blüte aus. Sogenannte selbstblühende Pflanzen blühen unabhängig von der Lichtdauer nach einer festen Zeit und sind insgesamt meist schneller fertig. Ab hier wird der Geruch deutlich.
  4. Ernte: Reife zeigt sich daran, dass sich die meisten Blütenhärchen verfärben und einziehen und die Harzdrüsen unter einer Lupe von klar zu trüb wechseln.
  5. Trocknen (etwa 1 bis 2 Wochen): kopfüber oder auf Netzen, dunkel, bei etwa 18 bis 22 Grad und mittlerer Luftfeuchte. Fertig ist es, wenn dünne Stiele brechen statt sich zu biegen.
  6. Fermentieren (mindestens 2 bis 4 Wochen): Die getrockneten Blüten kommen in luftdichte Gläser, die anfangs täglich kurz geöffnet werden, damit Restfeuchte entweicht.

Von der Keimung bis zur Ernte vergehen damit grob drei bis fünf Monate. Was in jeder Phase schiefgehen kann, steht im Artikel Die häufigsten Anfängerfehler beim Eigenanbau.

Stromkosten selbst ausrechnen

Die Formel ist einfach: Leistung in Kilowatt × Stunden × Preis je Kilowattstunde. 200 Watt sind 0,2 Kilowatt. Das folgende Beispiel beruht auf angenommenen Werten, die man durch die eigenen ersetzen sollte: LED mit 200 Watt Leistungsaufnahme, Lüfter mit 30 Watt rund um die Uhr, vier Wochen Wachstum mit 18 Stunden Licht, neun Wochen Blüte mit 12 Stunden Licht, Strompreis 35 Cent je Kilowattstunde.

PostenRechnungVerbrauch
Licht, Wachstum0,2 kW × 18 h × 28 Tage100,8 kWh
Licht, Blüte0,2 kW × 12 h × 63 Tage151,2 kWh
Lüfter0,03 kW × 24 h × 91 Tage65,5 kWh
Summe317,5 kWh × 0,35 Eurorund 111 Euro

Nicht enthalten sind Trocknung, ein eventueller Umluftventilator und eine Heizmatte. Der eigene Strompreis steht auf der letzten Jahresabrechnung.

Grenzen dieses Textes

Die Zeiträume und Messwerte sind Richtwerte, keine Garantie; Pflanzen, Räume und Leitungswasser unterscheiden sich. Der Text nennt bewusst keine Ertragszahlen, keine Sorten, keine Marken und keine Bezugsquellen. Er ersetzt keine Rechtsberatung. Ob sich der Aufwand im Vergleich zu einer Anbauvereinigung lohnt, behandelt Eigenanbau oder Anbauverein.

Quellen


Passend dazu im Verzeichnis


Häufige Fragen

Was brauche ich als Anfänger mindestens für den Anbau drinnen?
Ein Zelt, eine LED-Leuchte, eine Abluft mit Aktivkohlefilter, Töpfe mit Erde, ein einfaches Messmittel für den pH-Wert des Gießwassers und ein Thermometer mit Hygrometer. Dünger ist anfangs oft nicht nötig, wenn vorgedüngte Erde verwendet wird.
Wie lange dauert es von der Keimung bis zur fertigen Ernte?
Grob drei bis fünf Monate bis zur Ernte, je nach Pflanze und Dauer der Wachstumsphase. Danach kommen etwa ein bis zwei Wochen Trocknen und mindestens zwei Wochen Fermentieren im Glas.
Wie viel Watt braucht die Lampe?
Als grobe Einordnung: Für ein Zelt mit 80 × 80 cm liegen übliche LED-Leuchten bei etwa 100 bis 200 Watt tatsächlicher Leistungsaufnahme, für 100 × 100 cm bei etwa 200 bis 300 Watt. Maßgeblich ist die Leistungsaufnahme laut Datenblatt, nicht eine Angabe wie „entspricht 600 Watt“.
Brauche ich wirklich einen Aktivkohlefilter?
In einer Wohnung praktisch immer. Blühende Pflanzen riechen stark, und das Bundesgesundheitsministerium weist darauf hin, dass beim Eigenanbau keine unzumutbaren Belästigungen für die Nachbarschaft entstehen dürfen. Ein Filter an der Abluft ist der übliche Weg, den Geruch zu binden.
Was kostet der Strom für einen Durchgang?
Das lässt sich mit Watt × Stunden × Preis je Kilowattstunde selbst ausrechnen. Mit einer 200-Watt-Leuchte, einem 30-Watt-Lüfter, rund 13 Wochen Laufzeit und angenommenen 35 Cent je Kilowattstunde kommen etwa 110 Euro heraus. Mit eigenen Werten fällt das Ergebnis anders aus.

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